Der internationale Steuer- und Standortwettbewerb hat sich grundlegend verändert. Die Schweiz gerät dabei zunehmend unter Druck, weil zentrale Instrumente ihrer bisherigen Standortpolitik an Wirkung verloren haben. Ein neues Rechtsgutachten von Prof. Dr. Robert J. Danon und Prof. Dr. Pascal Hinny zeigt, wie die Schweiz ihre steuerliche Attraktivität wiederherstellen kann, indem sie die neuen internationalen Rahmenbedingungen nutzt und die steuerliche Förderung von Forschung, Entwicklung und Innovation gezielt stärkt.
Die globale Mindestbesteuerung hat den internationalen Steuerwettbewerb grundlegend verändert. Klassische Gewinnsteuervorteile haben an Bedeutung verloren. Diese waren für die Standortattraktivität der Schweiz besonders wichtig, weshalb diese Entwicklung die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz stark beeinträchtigt. Gleichzeitig wurden Anfang 2026 von der OECD neue Spielräume für substanzbasierte steuerliche Standortmassnahmen geschaffen. Der internationale Wettbewerb um Forschung, Innovation und Investitionen verlagert sich damit zunehmend auf die attraktive Ausgestaltung solcher Instrumente.
Bestehende Instrumente reichen nicht mehr aus
Für die Schweiz ist diese Entwicklung von grosser Bedeutung, denn Forschung, Entwicklung und Innovation gehören zu den zentralen Stärken unseres Wirtschaftsstandorts. Die bestehenden steuerlichen Instrumente tragen den veränderten internationalen Rahmenbedingungen jedoch nur unzureichend Rechnung. Der mit der STAF eingeführte F&E-Sonderabzug ist im internationalen Vergleich restriktiv ausgestaltet und schöpft die neuen Handlungsspielräume nicht aus. Gleichzeitig hat die Patentbox insbesondere für Unternehmen, die der Mindeststeuer unterliegen, deutlich an Attraktivität verloren. Während zahlreiche Staaten ihre F&E&I-Förderung ausbauen und ihre Standortpolitik gezielt an die neuen Rahmenbedingungen anpassen, büsst die Schweiz an Wettbewerbsfähigkeit ein. Stillstand ist deshalb keine Option. Um auch künftig ein attraktiver Forschungs-, Innovations- und Unternehmensstandort zu bleiben, muss die Schweiz ihre Instrumente gezielt weiterentwickeln.
Reformpaket für einen wettbewerbsfähigen Forschungs- und Innovationsstandort
Das Gutachten empfiehlt, den F&E-Sonderabzug breiter und attraktiver auszugestalten. Ergänzt werden soll dies durch weitere OECD-konforme Instrumente zur Förderung von Forschung und Innovation. Dabei gilt es insbesondere, die international zulässigen Möglichkeiten im Bereich der Qualified Refundable Tax Credits vollumfänglich auszuschöpfen und bestehende Fehlanreize – etwa im Nationalen Finanzausgleich – zu beseitigen. Anstelle eines fakultativen sollte ein für die Kantone obligatorischer F&E&I-Abzug geschaffen und stattdessen die wenig wirksame Patentbox bloss noch fakultativ vorgesehen werden. Ein F&E&I-Sonderabzug bei der direkten Bundessteuer sollte als zusätzlicher Hebel geprüft werden.
Innovationsstandort und Wohlstand sichern
Ziel der Reformen muss es sein, bestehende Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in der Schweiz zu halten und neue Investitionen sowie geistiges Eigentum anzuziehen. Damit stärkt die Schweiz ihre Innovationskraft, schafft hochqualifizierte Arbeitsplätze und sichert langfristig Wertschöpfung und Steuereinnahmen. Eine wettbewerbsfähige F&E&I-Förderung ist zentral für den Wohlstand der Schweiz.
Zum vollständigen Gutachten:
Der Schweizer Forschungs- und Entwicklungsabzug im Lichte aktueller internationaler Entwicklungen: Eine Analyse und Anpassungsvorschläge
Prof. Dr. Robert J. Danon und Prof. Dr. Pascal Hinny