Digitale Technologien bieten grosse Chancen, staatliche Leistungen effizienter zu gestalten und administrative Prozesse zu vereinfachen. Mit dem zunehmenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz eröffnet sich zusätzliches Potenzial, Prozesse neu zu denken und zu beschleunigen – auch für die Schweiz. Gleichzeitig zeigt sich, dass der Erfolg digitaler Transformation nicht nur von technologischen Lösungen abhängt, sondern wesentlich davon, ob sie in der Praxis akzeptiert und von den beteiligten Akteuren mitgetragen werden. Dies wurde im Rahmen der ersten «SwissHoldings Legal Talks» beim Panel zu Bürokratieabbau und Digitalisierung diskutiert.
Die Digitalisierung wird als wichtiger Hebel zur Bewältigung vielfältiger Herausforderungen gesehen – insbesondere auch zur Reduktion der Bürokratielast für Unternehmen. Damit sie dieses Potenzial entfalten kann, braucht es jedoch einen gezielten und durchdachten Einsatz. Die Praxis zeigt nämlich, dass Digitalisierung allein noch keinen Bürokratieabbau garantiert.

Auf dem Panel (v.l.n.r.): Dirk Lindemann, Dr. Christian Ulbrich, Jürg Grossen, Dr. Stefan Sulzer, Dr. Gabriel Rumo
Prozesse vereinfachen, bevor sie digitalisiert werden
Werden bestehende Verfahren unverändert digitalisiert, besteht die Gefahr, dass die Komplexität und die damit einhergehende Belastung bestehen bleibt. Damit digitale Lösungen echten Mehrwert schaffen, müssen bestehende Abläufe kritisch analysiert und vereinfacht werden. Dr. Stefan Sulzer, Group General Counsel der Adecco Group, betont: «Digitalisierung bringt nur dann einen echten Nutzen, wenn die zugrunde liegenden Prozesse zuerst vereinfacht werden. Werden komplexe Abläufe lediglich digitalisiert, entsteht am Ende digitale Bürokratie statt Effizienz.»
Koordination stärken
Eine weitere Herausforderung besteht darin, Fragmentierung zwischen verschiedenen digitalen Lösungen zu vermeiden. Unterschiedliche Verfahren können dazu führen, dass die Digitalisierung ihr Potenzial nicht vollständig entfaltet. Umso wichtiger ist eine gute Koordination zwischen Bund, Kantonen und Verwaltungseinheiten. Harmonisierte Prozesse und klare Zuständigkeiten sind die Basis, um digitale Lösungen konsistent umzusetzen.
Potenzial von KI differenziert betrachten
Es zeigte sich allerdings auch, dass das Potenzial von KI für den Bürokratieabbau unterschiedlich beurteilt wird. Während die einen grosse Effizienzchancen sehen, warnen die anderen vor neuer Komplexität und zusätzlicher Regulierung. Unbestritten ist jedoch, dass der erfolgreiche Einsatz von KI nicht nur technologische, sondern auch organisatorische und kulturelle Voraussetzungen erfordert. Akzeptanz, Vertrauen und das «Mitnehmen» der betroffenen Mitarbeitenden in Verwaltung und Unternehmen sind zentrale Faktoren für eine erfolgreiche Transformation.
Die Diskussion bei den SwissHoldings Legal Talks machte deutlich: Digitalisierung kann ein wichtiger Hebel für weniger Bürokratie sein – vorausgesetzt, sie geht mit einer konsequenten Vereinfachung und Harmonisierung staatlicher Prozesse einher.
Kontakt
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