Weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit wird bei der OECD in Paris an der Neuverteilung der Unternehmenssteuererträge gearbeitet. Der Fokus des Projekts liegt aber, entgegen seiner Bezeichnung, nicht auf den in Misskredit geratenen Digitalkonzernen (Google, Facebook etc.). Stattdessen sollen die Gewinne sämtlicher internationaler Unternehmen global «gerechter» verteilt werden. Gerecht bedeutet, dass anstelle des Staats der Leistungserbringung, jener des Absatzmarkts einen viel grösseren Anteil vom Steuerkuchen erhalten soll. Staaten wie die Schweiz, die ihre Steuereinnahmen stark in die Bildung und die gute Infrastruktur investieren, drohen zu den Verlierern dieses globalen Verteilkampfs zu werden. Bereits 2020 sollen die neuen Regeln verabschiedet werden.

Kernanliegen von SwissHoldings

Aufgrund der bisher von der OECD vorgestellten Pläne lauten unsere aktuellen Anliegen wie folgt:

  1. Beschränkung auf eine massvolle Umverteilung zu den Marktstaaten mittels «Betrag A», d.h. die Einnahmen der Gewinnsteuer sollen weitestgehend beim Ort der Wertschöpfung verbleiben;
  2. Fokussierung des Anwendungsbereichs des «Betrag A» auf an Endkonsumenten verkaufte Produkte und hochdigitalisierte Geschäftsbereiche grosser Unternehmen;
  3. Der «Betrag A» darf ausschliesslich Marktstaaten zukommen, die dem neuen multilateralen Abkommen der OECD beitreten. Dieses muss verbindliche und klare Vorgaben zur Streitverhinderung und -beilegung vorsehen;
  4. Schaffung eines raschen, verlässlichen und von der Steuerverwaltung des Hauptsitzes geleiteten Verfahrens zur verbindlichen Festlegung und Aufteilung des «Betrag A»;
  5. Berechtigte Anliegen der Unternehmen insbesondere in den Bereichen Umsetzbarkeit, Regulierungs- und Umsetzungskosten sind zu berücksichtigen;
  6. Standardisierungen der Höhe des «Betrag B» (bisherige Entschädigung für den Markstaat) sind gemäss Drittvergleich festzulegen;
  7. Beim «Betrag B» sind Vereinfachungen und Verbesserungen der Rechtssicherheit zwingend und müssen sämtlichen Unternehmen offenstehen;
  8. Der einzuhaltende Mindeststeuersatz gemäss Pfeiler 2 muss moderat sein (maximal 12%) und ähnlich dem US-GILTI-System auf einer weltweiten Betrachtung beruhen (global blending). Dabei ist auf Mehrjahresdurchschnitte der Steuerrate gemäss Konzernabschluss abzustellen, soweit der Abschluss nach einem von einer Börse anerkannten Rechnungslegungsstandard erstellt wurde;
  9. Pfeiler 2 ist als Maximalstandard auszugestalten – höhere Mindeststeuersätze oder strengere sonstige Vorgaben dürfen Staaten, die den «Betrag A» erhalten, nicht vorsehen.

Downloads:

  • Faktenblatt zum OECD/G20-Projekt zur „Besteuerung der digitalisierten Wirtschaft“ [pdf]

Weiterführende Dokumente
10. Dezember 2019
OECD/G20-Projekt zur «Besteuerung der digitalisierten Wirtschaft» – neuste Entwicklungen und Anliegen von SwissHoldings


2. Dezember 2019
Public Consultation on the Global Anti-Base Erosion Proposal (“GloBE”) under Pillar Two Joint comments by economiesuisse and SwissHoldings


12. November 2019
Public Consultation on the Secretariat Proposal for a „Unified Approach“ under Pillar One – Joint comments by economiesuisse and SwissHoldings


7. November 2019
Globale Umverteilung der Unternehmensgewinne gefährdet Schweizer Erfolgsfaktoren


1. Juli 2019
Heute Durchgeführte Generalversammlung Von SwissHoldings Stand Im Zeichen Des OECD/G20 Projekts Zur Besteuerung Der Digitalisierten Wirtschaft


9. April 2019
«Besteuerung der digitalisierten Wirtschaft» – ein Projekt zur globalen Neuverteilung der Unternehmenssteuereinnahmen

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